Auf der Welt verändert sich einiges. Nicht immer nur zum Negativen.
Die MeToo – Enthüllungen der vergangenen Jahre und nun auch das erstaunliche Aufstehen einer 16-jährigen Schwedin zur Rettung der Welt, verändern die öffentliche Wahrnehmung. Plötzlich kommen sogar festgefügte Männerbilder ins Wanken. Die Haltung „so-sind-sie-eben, die Männer“ – gilt nicht mehr und wird immer weniger akzeptiert.

Szenen aus dem Herzen: Unser Leben für das Klima, S. Fischer, 2019

Greta Thunbergs Mutter, die international erfolgreiche Opernsängerin Malena Ernman erzählt in dem 2018 in Schweden erschienenen Buch die Geschichte ihrer Familie. Gemeinsam mit Ehemann Svante Thunberg und den Schwestern Greta und Beata beschreibt sie die früheren psychischen Probleme ihrer Töchter, ihren eigenen Burnout und wie die Erkenntnis in der Familie wuchs, dass persönliche Krisen auch Widerspiegelungen von gesellschaftlichen Krisen sind.

Der verlogene Umgang mit dem Klimawandel, der die Politik und Wirtschaft der vergangenen Jahren auszeichnet, ist für die Familie Ernman-Thunberg, Ausdruck einer generellen Nachhaltigkeitskrise, deren Wurzeln tief in unserer wachstumsgläubigen, in Verdrängung geübten, tier- und vor allem auch frauenfeindlichen Kultur zu finden sind.

Auszug aus dem Buch

Szene 40: Die Kunst zu lügen

“Manchmal brocken wir Menschen es uns selbst ein.” Der (schwedische) Ministerpräsident spricht in einer Liveübertragung aus dem Reichstagsgebäude über das Klima.
“Er lügt”, sagt Greta und steht vom Sofa auf, das vor dem Fernseher steht. “Er lügt!”.
“Warum denn?”, frage ich (Mutter Malena). “Er sagt, wir Menschen wären diejenigen, die es uns eingebrockt haben, aber das ist nicht wahr. Ich bin ein Mensch, und ich habe uns nichts eingebrockt. Beata hat uns nichts eingebrockt und du oder Papa auch nicht.”
“Nein, du hast recht.” “Er sagt das nur, damit wir so weitermachen wie immer, denn wenn alle schuld sind, ist niemand schuld. Aber irgendjemand muss schuld sein, also stimmt es nicht, was er sagt. Es gibt doch nur ein paar hundert Firmen, die für den gesamten CO2-Ausstoß stehen. Und es gibt nur sehr wenige extrem reiche Männer, die Tausende Milliarden dadurch verdient haben, den ganzen Planeten zu zerstören, obwohl ihnen die Risiken bekannt waren. Also lügt der Ministerpräsident, genau wie alle anderen.”
Greta seufzt. “Nicht alle haben es uns eingebrockt, sondern nur ein paar wenige, und um den Planeten zu retten, müssen wir den Kampf gegen sie und ihre Firmen und ihr Geld aufnehmen und sie zur Verantwortung ziehen.”

Ergänzung von Gudrun Kromrey: Und währenddessen müssen wir allerdings auch unseren eigenen momentanen Lebensstandard deutlich verändern. Bitter, aber wahr!

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