Mit Gartenarbeit die Seele streicheln und den Körper stärken

Die, die einen Garten, groß oder klein, besitzen, wissen: der macht Arbeit! Aber auch ebenso viel Freude.

Ich habe mein Burnout mit Yoga und mit der Anlage eines Gartens bezwungen. Durfte ich in der Erde wühlen, Zäune, Veranda, Garten- und Gewächshaus streichen, war ich im siebten Himmel. Völlig ruhig, heiter und gelassen. Das hatte schon fast etwas Manisches und ich habe mich gefragt, darf ich so viel Zeit und Energie nur mit mir und mit dem Garten „verschwenden“, statt unerlässlich einer sinnvollen Gelderwerbstätigkeit nachzugehen? Aber es tat so gut, kleine Samenkörner in Gartenerde zu stecken und zu erleben, wie sich nach geduldigem (!) Warten eine grüne, neugierige Spitze zeigte. Ich spürte, wie sich mit jedem Tag im Garten meine Seele erholte, meine inneren Kräfte wieder wuchsen. Es war, als würde ich plötzlich wieder feste, starke Wurzeln bekommen.

Es scheint so zu sein, – und aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen das – dass unsere Ackerbau- und Viehzucht-, d.h. unsere in und mit der Natur lebende Vergangenheit tief in unseren Genen verankert ist. Der Mensch will gestalten, in der Erde wühlen, will säen, wachsen sehen und ernten.

Der Garten heilt

Mitten in der Natur – ja, auch besonders im Wald – versetzt sich unser Gemüt, unsere Seele schnell in einen Zustand, der sonst nur beim Yoga und mit Meditations-, Achtsamkeits- und Atemübungen erreicht wird.

Gartenarbeit ist Entschleunigung und damit der Gegensatz zu einem ansonsten stressigen Alltag. Vorausgesetzt allerdings, dass man sich im Garten nicht auch noch unter Stress oder Zeitdruck setzt. Auch Gedanken, was die Nachbarn, was die am Vorgarten vorbei Gehenden wohl denken sollen oder werden, sind nicht hilfreich.

Gartenarbeit ist Achtsamkeit. Alles geschieht im jetzigen Augenblick. Jeder Handgriff ist Konzentration. Hier zählt weder Vergangenheit noch Zukunft. Jetzt in diesem Augenblick wird es getan.

Hierbei in einen Zustand des FLOW* zu kommen, ist nicht selten. Zeit spielt plötzlich keine Rolle mehr und der Druck des Alltags ist weit weg.

Unsere Sinne werden angeregt

Wir erleben den Geruch des Humus, den Duft der Pflanzen, das Gefühl der Erde an unseren Händen, die Temperatur des Wassers, hören die Vögel und Insekten, spüren die Sonnenstrahlen und den leichten Wind auf der Haut. Für unsere Seele scheint genau das das Paradies zu sein. Viel eher als ein überfüllter, lauter Strand in einem der üblichen Urlaubsparadiese.

In etlichen spirituellen Traditionen wird die Seele als Garten betrachtet.
In der christlichen Mythologie wird das Paradies stimmig als Garten beschrieben. Und dass Adam und Eva daraus vertrieben wurden, ist schon tragisch und hat den Seelen garantiert nicht gut getan.

Von der Natur lernen

Wir können im Garten Geduld und Sanftheit lernen. Die Natur zeigt uns ihre eigenen Wachstumsperioden. Es wächst eben, wenn der Zeitpunkt, das Licht und die Wärme dafür da sind. Anders als häufig im Berufsalltag und auch bei der Kindererziehung nutzt es hier nichts an den grünen Stängeln zu ziehen, um die Pflanzen zu schnellerem Wachstum zu zwingen. Nutzt übrigens im Job und bei Kindern meistens auch nichts.

Wir erleben bei der Gartenarbeit, wie eine Tätigkeit uns ruhig und heiter werden lässt. Freudvolle Momente im Garten sind häufig. Dabei kostet das alles nicht viel außer ein wenig Wasser, Erde, Samen. Die Sonne und der Regen schicken keine Rechnung. Wie viele Dinge hingegen erwerben wir mit der Hoffnung, dass sie uns glücklich machen? Und stellen fest, dass sie es eben nicht tun.

Ein Garten ist dankbar für unsere Zuwendung und zeigt uns das auch sehr deutlich mit üppigem Wuchs und immer wieder ungewöhnlichen Farbkombinationen seiner Blüten. Schönheit und Anmut pur. Eine ehrliche und nachhaltige Anerkennung unseres Bemühens. Deutlicher als jedes schnöde Lob eines Vorgesetzten, das ebenso schnell wieder verpufft.

Wandel ist etwas, das wir gar nicht lieben. Wir wollen immer festhalten, die Kontrolle haben. Ein Garten ist ein guter Lehrmeister, uns zu zeigen, dass sowieso immer alles im Wandel ist. Wachsen, Blühen und Vergehen. Ein ewiger Zyklus und wir sind nur ein kleiner Teil darin. Festhalten ist gegen die Natur. Loslassen und beobachten ohne zu bewerten ist hier das Motto. Auch im Yoga wird uns genau das immer wieder empfohlen.

Stark und gelenkig werden

Ganz nebenbei macht Gartenarbeit uns auch körperlich fit. Das Bücken, (bitte richtig mit gebeugten Knien und geradem Rücken) und Tragen (nicht zu schwer, Knie immer etwas gebeugt und den Bauch anspannen) macht uns beweglich und stark. Dahinter bleibt ein miefiges Fitnessstudio weit zurück und Tomaten kann man nach dem stupiden Rennen auf einem Laufband auch nicht ernten.

Unkräuter sind einfach nur die Kräuter, deren Vorzüge noch nicht von allen erkannt wurden. Einfach wachsen und blühen lassen. Hier ist garantiert kein Bedarf für Chemiewaffen. Da wird endlich einmal unsere Faulheit belohnt. Bienen und andere Insekten danken mit fröhlichem Gebrumme.

Vitamin D von der Sonne und frische Luft, mehr braucht kein Mensch. Nichts schmeckt köstlicher als das aus dem eigenen Garten geerntete Gemüse. Nichts!

Das alles funktioniert übrigens auch auf einem Balkon oder mit einem Topfbeet auf der Fensterbank oder mit dem bepflanzenden Besetzen eines öffentlichen Raumes. Lasst uns tote Brachen und Leerflächen zu Gärten machen. Mindestens die Insekten sind begeistert….und unsere Seelen sowieso.

*FLOW

https://de.wikipedia.org/wiki/Flow_(Psychologie)

 

© Gudrun Kromrey, März 2019

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