Der Monat November heißt auf finnisch: Marraskuu, der Todesmonat. Wir haben den Totensonntag zum Gedenken an alle, die wir verloren haben.

In diesem Monat ist meine Mutter gestorben. Und ich habe ebenfalls mit ihr ein Kind verloren, denn meine Mutter litt in den letzten Jahren unter Demenz. Mein bester Freund muss gerade seinen geliebten, alten Hund loslassen.

Todesmonat…..

Wir trauern. Wir trauern dabei auch immer über unsere eigene Vergänglichkeit. Jedoch noch viel mehr leiden wir daran, dass sich immer alles verändert. Das nichts so bleibt, wie es ist. Wir spüren, das es nichts gibt, an dem wir uns dauerhaft festhalten können. Nichts, das immerwährende Stabilität, Halt und Sicherheit in unser Leben bringt.

Das ist etwas, was wir Menschen nur schwer aushalten können. Wir lieben Gewohnheiten, sichere und wiederkehrende Rituale. Wir möchten die Garantie haben, dass das, was wir lieben auch morgen noch an unserer Seite ist. Wir möchten festhalten, uns festhalten. An irgendwetwas.

Jede Religion, jeder spirituelle Weg schlägt uns hier als Lösung vor, diese Festigkeit, diesen Halt entweder in uns selber zu finden oder im Glauben an Gott, am besten in beidem.

Wer den Weg Richtung Gott einschlägt, ist auf der sicheren Seite. Keine schlechte Lösung.

Die, denen dieser Weg nicht offen steht, sind dem kalten Wind der Erkenntnis ausgeliefert, dass Liebe mit Leid, dass Leben mit Schmerz verknüpft ist. Das da nichts ist, das ständigen Halt, beruhigende Gewohnheit garantiert. Keine immerwährende Liebe. Nichts von Dauer. Gar nichts.

Und nun?

Bitter aber wahr: Wer das Leben liebt, muss leider auch die Grundbedingung des Lebens akzeptieren: Alles verändert sich ständig, alles ist immer im Fluss. Das ist die condition-sine-qua-non des Lebens. Die Bedingung ohne die es kein Leben gibt. Die Natur, die Tageszeiten, die Jahreszeiten, jedes aufwachsende Kind, ja die Evolution selbst, alles zeigt uns ständig: Leben ist immer in Bewegung, immer in der Veränderung. Der Wandel ist das Leben.

Wachsen, gedeihen, lernen, etwas verbessern, sich entwickeln, Ziele erreichen, Glück anstreben und finden, das alles geht eben nicht ohne Veränderungen.

Diese Seite der Medaille gefällt uns gut. Die andere Seite nicht.

Das ist hier das einzige Problem…….

 

CARPE DIEM / CARPE YOGA

In jeder Yogastunde können wir uns darin üben, diese Grundbedingung des Lebens endlich zu akzeptieren. Jedes Mal, wenn wir uns in Savasana begeben, in die sogenannte Rückenentspannungslage, die eigentlich richtig “die Totenstellung” heißt, können wir einen kleinen Tod sterben, uns unserer und aller Vergänglichkeit bewusst mal kurz aber intensiv werden. Einfach mal loslassen. Damit machen wir uns jedes Mal für einen Neuanfang bereit. Die Körper- und Atemübungen danach fühlen sich dann ganz neu, ganz frisch an. Wir spüren uns verändert und erneuert. Jede Yogastunde kann dazu genutzt werden, sich dem Wandel bewusst auszusetzen, um zu spüren, wie stark, wie mächtig dieser grundlegende Lebensrhythmus ist.

Jede Yogastunde wird somit zu einer Übungsstunde in wahrer Lebenserfahrung.

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